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Performance-Botschaften vom Gymnasium Groß Ilsede

Der Kurs Darstellendes Spiel des 11. Jahrgangs bekam am Dienstag, dem 16. Oktober, die einzigartige Möglichkeit, einen Vormittag lang einen Workshop mit sieben Performance- Künstlern aus Asien im Beisein von Herrn Dr. Meyer zu erleben und dabei in die Welt dieser ganz besonderen Kunstform einzutauchen.

Dass vor allem ein gutes Körpergefühl, Balance, Körpersprache und Konzentration eine große Bedeutung haben, erfuhren wir Schüler direkt im ersten Teil des Workshops, als der Kurs in zwei Hälften aufgeteilt wurde und wir zusammen mit jeweils drei oder vier Künstlern verschiedene Übungen gemacht haben. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, die, wie der ganze Workshop, auf Englisch gehalten wurde, machten wir zunächst ein paar Atemübungen. Viele von uns wunderten sich – dass Atmen bei der Performance Art eine so große Rolle spielte, hätten wir nicht erwartet, doch ist das bewusste Atmen eine Methode, den Körper auf die Anforderungen vorzubereiten und sich mental zu fokussieren – schließlich gehen nicht wenige Performances einige Stunden lang (wenn nicht sogar Tage).

Konzentration ist überall gefragt: Jede Bewegung, die wir ausführen sollten, und zwar um einiges langsamer als in der Realität, fiel uns leichter, wenn wir uns mental komplett auf diese eine Bewegung fokussieren, und auch, uns auf sie einzulassen – schließlich setzt man im Alltag nicht jeden Schritt sehr bewusst und zeitlupenmäßig langsam.

Wir lernten: Performance ist das Zusammenspiel von „Head, hearth and hands“. Der Kopf bereitet sich auf die Bewegung vor, die von unserem Herzen geleitet (denn dem Publikum kann man nichts vormachen) und von unseren Händen und dem ganzen Körper ausgeführt wird. Dabei sollte die Botschaft, die man mit seinen Bewegungen dem Publikum mitgeben möchte, vielfältig interpretierbar sein, im Besten Fall Fragen aufwerfen. Dies demonstrierten uns die Künstler, indem sie einem Alltagsgegenstand, zum Beispiel einem Schal, seiner Alltagsfunktion entziehen und sich ihn, anstatt ihn normal um den Hals zu tragen, über den Kopf hängten, ihn mit interessierter Miene betrachteten und hin- und herwendeten, über zwei Menschen stülpten und vieles mehr. Wir bemerkten fasziniert, dass es sofort eine ganz andere Wirkung auf uns hat.

Im zweiten Teil lernten wir einen weiteren, wichtigen Bestandteil der Performance kennen: Die Selbstwahrnehmung, die Kunst sich selbst von außen betrachten und reflektieren zu können: „So wie ich hier stehe, überbringe ich in dieser Körperhaltung die Botschaft, die ich überbringen möchte?“ Dafür setzten wir uns quer verteilt in den Innenhof, nahmen Platz und atmeten immer wieder tief ein und aus. Dabei sollten wir versuchen, uns selbst, so sitzend, aus einer anderen Perspektive zu betrachten – sei es vom Schuldach von oben, aus der Sicht eines Frosches, der zu uns hochschaut, oder aus dem Gang. Dies erforderte erneut viel Konzentration, doch es half tatsächlich, sich selbst besser wahrnehmen zu können und wir alle bekamen ein Gefühl dafür, was wir taten. Mit dieser neu gewonnen Erkenntnis ging es gleich wieder an die Bewegung, denn nach „head and hearth“ kommt „hand“. So gingen wir zunächst wieder betont langsam durch den Innenhof, beschleunigten aber unseren Gang dieses Mal jedoch immer wieder, bis wir schließlich durcheinanderliefen. Danach hieß es allerdings wieder herunterkommen und sich in der Stille auf eine minimale Bewegung zu konzentrieren oder auch in einer Position eine Minute lang einzufrieren.

Dies galt als Vorbereitung für eine kleine, zweiminütige Performance, die wir allein oder zu zweit am Schluss in der Aula performen durften. Dabei endschieden sich beinahe alle für den „Loop“, eine sich über einen bestimmten Zeitraum ständig wiederholende Bewegung. Dort konnten wir zeigen, was wir gelernt hatten – sich auf die eine Bewegung zu fokussieren, sie kontrolliert auszuführen und sich quasi dieser Sache hinzugeben.

Am Ende des Vormittags hatten wir alle die Basics der Performance Art verinnerlicht und konnten nachvollziehen, was wir am Anfang vielleicht komisch fanden. Doch die Künstler waren sich sicher: „Je öfter ihr mit Performance Art in Berührung kommt, desto mehr werdet ihr euch trauen, von den Basics abzuweichen und zu zeigen, was alles möglich ist“.

Für uns war dieser Workshop auf alle Fälle eine großartige und inspirierende Erfahrung, von der wir alle viel mitnehmen konnten, schließlich lernten wir nicht nur die Performance Art, sondern auch die Kultur der Künstler näher kennen. Wir danken den Künstlern für ihren interessanten Workshop und ihre Offenheit für Fragen aller Art, aber auch Herrn Dr. Meyer der dieses Erlebnis überhaupt für uns ermöglichte und uns und die Künstler den Tag über begleitet hat.